TC Rot-Weiß Hürth-Gleuel 1972 e.V.
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Pflegeanleitung für Tennisspieler von Jogi Hess

Hallo Tennisspielerinnen und Tennisspieler aller Leistungsklassen des TC Rot-Weiß Gleuel!

in Anbetracht der Tatsache, dass ich während des Aufenthaltes auf dem Clubgelände bald mehr Patientenkonsultationen habe als in der Praxis, habe ich beschlossen, bezüglich der sportspezifischen Wehwehchen eine kleine "Jetzt helfe ich mir selbst"-Anleitung zu geben.

Prinzipiell habe ich überhaupt nichts dagegen, wenn ihr mich ansprecht, ich helfe gerne und sage es euch mit Sicherheit, wenn ich etwas nicht weiß (ich bin mit Rückrat geboren!), kenne aber die Spezialisten auf anderen Gebieten und kann Euch vermitteln.

Grundsätzlich bestehen bei vielen Überlastungssyndrome der Sehnenansätze, meist ein Mischbild aus Verschleiß (unser "Alter") und Sehnen- bzw. Muskelverkürzungen.  

Das Alter können wir nicht ändern, Letzteres schon

1. Achillessehnenschmerzen, auf fachchinesisch Achillodynie

Wenn der Schmerz ca. 4-6 cm oberhalb des Ansatzes am Fersenbein liegt, ist dies die Stelle, zu welcher am wenigsten Blut gelangt und wo daher der Verschleiß beginnt.

Oft hat man Belastungsschmerz, Verdickung der Sehne und Spannungsgefühl und Krämpfe der Wadenmuskulatur. Ursache ist oft neben unserem "Alter" eine Verkürzung der Wadenmuskulatur, welche mittels intensiver Dehnübungen behoben werden kann; ich habe im Anhang eine Anleitung ergänzt.

Der Satz 4-6-mal am Tag heißt übersetzt: "wenn man es nicht macht, hilfts' auch nix"!

Man muss dies in den Alltag integrieren, z.B. die obere Übung beim Zähneputzen machen und hoffen, dass das Waschbecken nicht zusammenkracht, die untere Übung an Treppen, Bordsteinen, beim Schnibbeln in der Küche oder Bügeln auf einem dicken Buch, es geht immer, man muß nur daran denken. Dies ist Basis für alle Lokaltherapien!

Niemals Cortison in eine Sehne spritzen lassen!

... das bewirkt zwar eine wunderbare Entzündungshemmung, macht aber die Sehne kaputt und bahnt dem Riss seinen Weg.

Allenfalls ist bei massiver Entzündung eine Injektion unter Ultraschallkontrolle um die Sehne erlaubt.

Lokal könnt ihr selbst Querfriktionen machen, d.h. Beißkeil zwischen die Zähne und die Sehne am schmerzhaften Bereich richtig böse quer zum Faserverlauf kneten bis die Tränen in die Augen treten.

Alternativ gibt es die Röntgenreizbestrahlung (wirkt in 40-50 % und ist eine ordentliche Strahlendosis, wird aber von den Kassen bezahlt ? sehr sinnvoll!), Ultraschalltherapie und Elektrotherapie.

Am Besten ist aber die Stoßwellentherapie 3x im Wochenabstand, tut weh, hat aber keine Nebenwirkung, wirkt in 80-90 % (nur mit gutem Dehnen!), wird aber von den Kassen nicht erstattet, weshalb 260 Euro fällig sind und ich sie daher nur bei Beschwerden > 3 Monaten anwende.

Nichtsteroidale Antirheumatika, also Voltaren, Ibuprofen u.s.w. sind im Akutfall sinnvoll, schädigen aber Darm, Magen und Nieren, weshalb eine Dauereinnahme unsinnig ist.

Bandagen wie Achillohit (s. Anhang) haben einen Massageeffekt auf die Sehne und über Reflexbögen einen schmerzlindernden Effekt, ersetzen aber absolut nicht o.g. Therapie.

Operative Maßnahmen kommen erst nach Versagen jeglicher konservativer Therapie in Frage, also nicht einreden lassen "das muß operiert werden", da viele Kollegen ihre Praxis wegen unseres tollen Gesundheitssystems über OPs oder IGEL-Leistungen finanzieren müssen, da sie ansonsten pleite gehen.

Das Wichtigste ist Dehnen, Dehnen und zwischendurch auch mal Dehnen!

Dies v.a. nach der Belastung. Vorm Sport reduziert Dehnen nicht die Gefahr der Muskelverletzung, sondern erhöht das Risiko von Gelenkverletzungen wie Umknicken im Sprunggelenk, da die Schutzreflexe bei gedehnten Strukturen später einsetzen.

2. Hinterer Fersensporn / Haglundferse

Bei Schmerzen am Ansatz der Achillessehne liegt entweder eine angeborene, nach hinten und oben prominente Form der Ferse (der Haglund hats´ gefunden, nicht die Schweizer) oder ein hinterer Fersensporn im Sehnenansatz vor.

Dies ist ein reines Druckproblem im Schuh, was bedeutet: äußere Druckentlastung mittels Aussparung des Sporns durch Schuhumbau (die interessante Eigenvariante von Christian, welcher sich einfach mit der Schere den drückenden Teil des Schuhs heraus schnitt, konnte ja letzten Sommer beobachtet werden) oder innere Druckentlastung mit dem Schwert = OP Sehnenablösung, Spornabtragung, Sehnenrefixation, mindestens 3 Monate Spaß dran haben à letzte Möglichkeit.

Hier helfen euch keine Ultraschall-, Stoßwellen-, Elektro- oder sonstige lokale Anwendungen, sondern nur dem Arzt, da sie Euros bringen, also nichts erzählen lassen und ? wie immer ? auch keine Cortisoninjektionen in die Sehne erlauben, allenfalls in den Schleimbeutel, wenn dieser entzündet ist.

3. Unterer Fersensporn, eigentlich Plantarfasziitis

Orthopäden und andere Nichtärzte (sorry für diese überhebliche Ausdrucksweise, aber 90 % machen Masse statt Klasse, was ich für unethisch halte, und haben keine Ahnung, v.a. nicht von Füßen) sagen Fersensporn und denken auch, daß der Sporn mechanisch das umgebende Gewebe reizt.

Der Sporn ist aber die Folge einer chronischen Verkürzung der Plantarfaszie, einer breiten, flachen Sehne, welche den gesamten Fußbogen verspannt und aufrecht hält und funktionell mit der Achillessehne eine Einheit bildet.

Wichtigste Maßnahme ist daher auch hier die Dehnbehandlung wie in der Anleitung beschrieben.

Lokal ist die Stoßwelle in 80-90 % wirksam (ohne gutes Dehnen nur 20 %), Röntgenreizbestrahlung in 40-50% oder Injektionen in die Sehne mit Eigenblutserum nach Vorbearbeitung (= ACP, auch teuer).

Wie immer nie (!) Cortison in die Sehne spritzen lassen, macht an der Fußsohle auch nicht wirklich Spaß, es sei den, man hat devote Lack-und-Leder-Neigungen.

Laser wurde uns von der Firma als äußerst wirksam angepriesen, hat aber die Beschwerden eher verstärkt und auch langfristig nichts genützt und ist daher wieder rausgeflogen.

4. Tennisellenbogen innen oder außen

Auch hier liegt eine Überlastung des Sehnenursprungs bei Beschwerden der Streckmuskulatur außen, der Beugemuskulatur innen vor.

Basis ist wie immer das intensive Dehnen, wie im kleinen Video gezeigt wird.

Sehr effektiv ist auch die Eigenquälerei mittels Querfriktionen, also schön mit dem Fingernagel quer zur Sehne in die Jubelregion massieren, das Ganze im schalldichten Raum, damit die Nachbarn nicht durch die Schreie gestört werden.

Stoßwelle ist ebenfalls sehr effektiv, Ultraschall deutlich weniger und Cortisoninjektionen wegen o.g. Gründe aus meiner Sicht VERBOTEN!

Die Bandage verlagert den Muskelursprung nach peripher, wodurch die schmerzhafte Region entlastet wird. Sie sollte bei jeder Aktivität mit Armbelastung getragen werden.

Ein gutes Beispiel ist die Epi Forsa Plus der Firma Ottobock, HMV-Nr. 23.08.04.0004, auch im Internet nachzusehen.

Allerletztes Mittel ist die OP, welche aber destruktiv den Sehnenursprung einkerbt, dadurch die Nervenverbindungen kappt und oft zu Kraftdefiziten führt.

Jeder Tennisspieler muß natürlich auch sein Material überprüfen, es gibt Schläger und Bespannungen, welche den Arm mehr belasten, außerdem ist die Technik v.a. der Rückhand oft falsch und führt zur Überlastung der Strecksehnen.

Hier helfen Trainerstunden bei unseren herausragenden Kapazitäten des Vereins, dies aber nur bei Vorhandenseins der Bereitschaft, die eigene Technik verändern zu wollen.

Summiert kann man wie immer nur sagen:

  • Wer rastet, der rostet, also schön weiter sporteln, dies aber mit der nötigen realistischen Selbsteinschätzung. Nicht jeder Stopp muß erlaufen werden ...
  • Dehnung bringt nicht nur eine Entlastung der Sehnenansätze, sondern auch bessere Koordination, mehr Kraft und reduziert die Wahrscheinlichkeit eines Risses enorm. Man sollte ohnehin 1-2-mal wöchentlich den gesamten Körper dehnen, geht sehr gut vor dem Fernseher
  • Spieltechnik und Material müssen optimal sein.

Für Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Euer Jogi Hess

PS: Alle Angaben wie immer ohne Gewähr, es besteht absoluter Haftungsausschluss!

 

Wer mit meinen Ausführungen nicht ausreichend bedient wurde, kann sich auch in der Praxis vorstellen, Termine am besten über mich direkt, da die Telefonanlage chronisch überlastet ist.

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Medizinischer Ratgeber

Jogi Hess - Facharzt für Chirurgie u. Unfallchirugie

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Der Tennisarm